Der studentische Schriftverkehr

Im Umgang von Menschen miteinander hat sich durch die Entwicklung der Schrift auch die Möglichkeit ergeben, mit Personen, die nicht unmittelbar angesprochen werden konnten, zu kommunizieren. Als dann noch Institutionen entstanden sind, die solche schriftlichen Nachrichten auch relativ schnell transportierten, war dies der Anfang eines vernetzten Kommunikationssystems.

Schriftliche Nachrichten können archiviert werden, und das geschriebene Wort bleibt bestehen, solange der Brief existiert.

Im Laufe der fortschreitenden Entwicklung der Zivilisation und der damit verbundenen Alphabetisierung haben sich auch bei der schriftlichen Kommunikation gewisse Formen entwickelt, die – nach weiterer Spezialisierung – auch einzelnen Interessensgruppen eigen waren. Es entstanden Spezialvokabulare, deren Worte nicht mehr allgemein verständlich sein mussten. Auch entstanden viele feststehenden Floskeln, die weiter tradiert wurden, deren Ursinn aber kaum mehr bekannt ist.

Studentenverbindungen hatten schon ihre eigene Sprache; sie sind in einer Zeit entstanden, in der soziale Gegensätze und soziale Schichten in hohem Maße bestanden. Der Student erfuhr durch die Zugehörigkeit zur Universität meist einen sozialen Aufstieg, er trug Waffen wie der Adel und wähnte sich – auch auf Grund der altersbedingten Radikaltendenz – als eigentlich allen überlegener Geist, der berufen ist zu herrschen.

Dieses Selbstwertgefühl des Einzelnen innerhalb des Bundes ist auch die nicht geschriebene Ursache für die Formen des studentischen Schriftverkehr.

Die verschiedenen Korporationsformen haben auch heute noch übliche Selbstbezeichnungen erzeugt. Es gab und gibt „verehrliche“, „wohllöbliche“, „wohlhonorige“ und „ehrenfeste“ Korporationen. Im konfessionellen Bereich gilt allgemein „verehrlich“, Corps sind meist „wohllöblich“ oder „wohlhonorig“ und „ehrenfest“ bezeichnen sich meist Burschenschaften. Allen gemeinsam ist die unpersönliche Rede in der dritten Person: „eine verehrliche Studentenverbindung Maximillian 2“ oder „einem ehrenfesten Corps Ottonia“.

Auch Grußforme(l)n entstanden: Am Beginn steht noch in weiten Kreisen „Meinen Gruß zuvor“; am Ende gibt es fast alle denkbaren Arten von brüderlichen Grüßen – bundes-, cartell-, kartell-, farben- und corpsbrüderlichen; in manchen Bereichen auch in schwesterlicher Form. Und weil es auch gemischte Verbindungen gibt, haben sich auch geschwisterliche Grüße eingebürgert. Auch Sonderformen sind üblich: Mit Landsmannschaftergruß, mit Corpsmannsgruß und Handschlag, u.ä.

All diese Ausführungen sollten beim schriftlichen Verkehr zwischen Einzelpersonen und oder mit Korporationen berücksichtigt werden.

1. Persönliche Schreiben unter Du-Comment:

Lieber Bundesbruder Takrates! oder

Lieber Alter Herr Takrates! oder einfach (bei sehr enger Freundschaft)

Lieber Freund Takrates!

Dignissime (Hoher Doktor cer.)!

Und am Ende:

Mit …Bundesbrüderlichen Grüßen … (diese können auch herzlich usw. sein)

2. Persönliche Schreiben unter Sie-Comment:

Sehr geehrter Herr Kommilitone!

(bei pers. Bekanntschaft) Sehr geehrter Herr Farbenbruder!

Mit … Grüßen

3. Persönliche halbamtliche Schreiben:

Hoher Philistersenior (Bundessenior, Kartellvorsitzender, …)

Lieber AH Takrates!

Mit …brüderlichen Grüßen

4. Amtliche Schreiben:

An

e.v. (e. wh., e. wl., e. ef.) Studentenverbindung ……

Adresse

An einen

Hohen Convent e.v. (e.ef. …) Corps Ottonia

Anrede: Hoher Convent!

Mit …brüderlichen (freundlichen – per Sie) Grüßen

Mit den besten Wünschen für ein erfolgreiches Semester verbleiben wir

für die/das Verbindung/Corps/Burschenschaft

Bei allen Schreiben darf nicht auf den Absender vergessen werden, der steht üblicherweise im Briefkopf:

Slavko Horvath (v. Coleurname, wenn vorhanden)

Anschrift

5. Unterschrift

Nach der Grußformel steht die Unterschrift. Sie enthält außer im rein persönlich-freundschaftlichen Umgang immer auch den bürgerlichen Namen mit Zusatz des Coeurnamens, jedenfalls aber ist eigenhändig zu unterschreiben. Nach dem Namen wird der Zirkel gesetzt, allfällige Funktionsbezeichnungen stehen dahinter.

Im elektronischen Verkehr muss zwangsläufig die handschriftliche Unterschrift entfallen (durch Einsetzen eines „Unterschriftbildes“ entsteht keine handschriftliche Unterschrift). Statt des Zirkels schreibt man nicht Z! (oder Z!Z!Z!…, wenn jemand mehrere Bänder erworben hat), sondern setzt eine ev. Abkürzung des Verbindungsnamens und der Funktion hinter den Namen (Beispiel: …, AH Js oder Cph Raetiae, xx Victoriae…)

6. Elektronischer Schriftverkehr

Es hat sich eingebürgert, im „chattverkehr“ alle jemals gehörten orthographischen Regeln vorsätzlich zu missachten und eine eigene AKÜ- (Abkürzungs)sprache zu verwenden, um „cool“ und „in“ zu erscheinen. Diese Unsitte ist strikt abzulehnen. Als gebildeter Mensch schreibt man auch im elektronischen Verkehr korrekt mit Groß- und Kleinschreibung, mit Interpunktionen; auch die Anrede Du, Ihr, Sie sind groß zu schreiben.