Der Landesvater

Die Zeremonie des Landesvaterstechens bildet ein geschlossenes Ganzes. Sie ist um das Lied „Alles schweige“ aufgebaut und läuft bei fast allen Korporationen gleich ab.

Beim Corps Victoria ist der Ablauf selbst immer gleich:

  • Einleitung
  • Stechen
  • Binden der Klingen
  • Rückgabe der Deckel
  • Schluß.

Der Rahmen für das Landesvaterstechen ist eine Kneipe; diese kann einer üblichen Kneipe entsprechen, in deren Mitte der Landesvater eingebettet ist, oder aber als Festakt für sich allein oder etwas erweitert kneipähnlich ablaufen. Die Chargierten in gerader Anzahl chargieren ohne Schlägerscheiden, ohne Barett oder Cerevis, aber mit ihrem Deckel.

Die Kneipanten nehmen vor Beginn des Festakts die gewünschte Sitzordnung gegenüber dem Bundesbruder, mit dem gestochen werden soll, ein. Jeder ist mit Stoff versorgt.

Das Präsidium, meist der Senior, kommandiert den Cantus „Alles schweige“; das Lied zieht ohne Ansage durch. Als landsmannschaftliche Besonderheit ist die eingefügte 6. Strophe „Landesvater, Schutz und Rater…“; während dieser begibt sich das Contrarium zum Präsidium und nimmt neben ihm Aufstellung.

Nach der 6. wenden sich die beiden Chargierten einander zu und singen gemeinsam die 7. und befolgen den Text: “Seht ihn blinken in der Linken (sie schlagen die Klingen gegeneinander)… – Ich durchbohr den Hut (der Deckel wird mit der Rechten auf die Schlägerklinge gespießt) und schwöre (die Chargierten kreuzen die Schläger und legen die Schwurfinger der Rechten an den Kreuzungspunkt) … – Die Corona erhebt sich und wiederholt den Refrain.

Nun steigen die Chargierten hinter den Kneipanten auf die Stühle, in der Linken den Schläger, in der Rechten ein ausreichend großes Quantum Stoff; es kann auch die Stange des jeweiligen Kneipanten benutzt werden.

Zur 8. Strophe „Nimm den Becher…“ reichen die Chargierten den vor ihnen Stehenden die Stange in die Rechte, „nimm den Schläger in die Linke“ empfangen die Kneipanten den Schläger in die Linke, „…und trinke“ ziehen einen Streifen und geben die Stangen zurück an die Chargierten (oder, wenn es die eigene war, stellen sie ab).

Nun wiederholt sich der Vorgang mit der 7. Strophe.

In weiterer Folge wird nun bis zum letzten Paar abwechselnd die 7. und 8. Strophe gesungen.

Dann stellen die Chargierten ihre Schläger auf dem Tisch gekreuzt ab, das Contrarium hält sie; das Präsidium kommandiert „Silentium stricte, silentium strictissimum zu Binden der Klingen!“ und bindet die Schlägerklingen mit seinem Burschenband. Danach begibt er sich allein zum Platz des Präsidiums und singt solo den ersten Teil der 9.: „Komm du blanker Weihedegen…“. Während dieser Strophe reichen die Kneipanten die gebundenen Schläger über dem Tisch zum Präsidium. Das Contrarium begibt sich auch zum Präsidium.

Es folgt die Landesvaterrede, die auch vom Präsidium gehalten werden kann.

Danach folgt die zweite Hälfte der 9. – „Laßt uns festlich ihn entlasten…“. Das Präsidium entfernt das Burschenband und tauscht den Schläger mit dem des Contrariums. Während die Corona die 10. singt, gehen die Chargierten wieder zum Ende der Tafel und nehmen hinter den letzten Kneipanten wieder auf den Stühlen Aufstellung (da die Schläger getauscht wurden, sind nun auf dem Schläger die Mützen der gegenüber Stehenden).

Die Chargierten halten den Schläger in der Linken. Zum Text der 11. setzen sie mit der Rechten dem Gegenüber den Deckel auf, legen den Schläger auf diesen Deckel und reichen dem Gegenüber die Rechte. Dieser reicht seinerseits seinem gegenüber stehenden Kneipanten seine Linke und erfasst die Rechte des gegenüber Chargierenden. Diese Vorgangsweise setzt sich fort, bis nur mehr die Chargierten übrig bleiben. Sie folgen dem Text. Während der abschließenden 12. „Ruhe von der Burschenfeier“ kehrt das Contrarium an seinen Platz zurück.

Das abschließende Kommando des Präsidiums: „Silentium strictissimum ex. Silentium stricte ex, Landesvater ex! (Es steige das Bundeslied!) Colloquium!“

 

Das Lied „Alles schweige“ folgt drei Melodien:

• 1. – 8.,

• 9., 10. und 12.

• 11.