Fragen?

In den Medien kursieren immer wieder Berichte über Studentenverbindungen. Gelegentlich sind diese seriös recherchiert; die meisten aber beinhalten Unwahrheiten und veraltete Ansichten. Die vor allem politisch motivierten Vorwürfe gegenüber Korporationen halten bei genauerer Betrachtung nicht stand.

„Studentenverbindung“ und „schlagende Burschenschaft“ ist dasselbe?

Die Burschenschaften sind nur eine bestimmte Art von Verbindung; der richtige Oberbegriff ist „Verbindung“ oder „Korporation“. Neben der Unterscheidung zwischen Mittelschul- und akademischer Verbindung gibt es eine Reihe weiterer Unterscheidungsmerkmale, wie konfessionell oder konfessionell-ungebunden, schlagend oder nichtschlagend, politisch oder unpolitisch, deutsch, österreichisch oder flämisch, Männerbünde, Frauenbünde oder gemischtgeschlechtlich, farben-tragend oder nichtfarbentragend, mit oder ohne spezieller fachspezifischer Ausrichtung, und weiteres. Ausdruck dessen sind verschiedene Bezeichnungen der jeweiligen Korporation, wie Landsmannschaft, Corps, Burschenschaft oder eben Studentenverbindung.

Burschenschaften sind weder der älteste Verbindungstyp noch stellen sie die größte Gruppe dar, geschweige denn, dass Wesen und Ausrichtung repräsentativ für die große Zahl unterschiedlicher Verbindungen wären. Leider hat die Konfusion über die Begriffe „Studentenverbindung“ und „Burschenschaft“ zur Folge, dass Vorfälle im Umfeld von Burschenschaften zu Unrecht auf alle Verbindungen zurückfallen. Gleichwohl ist eine Pauschalverurteilung aller Burschenschaften nicht angemessen.

Studentenverbindungen sind ausländerfeindlich und rassistisch?

Verbindungen und deren Mitglieder bekennen sich zu einem – jeweils unterschiedlich definierten – Vaterland, im Falle des Corps Victoria ist dies die Republik Österreich.

Dass eine Verbindung Ausländer aufnimmt, ist der Normalfall. Die ausländischen Mitglieder von Studentenverbindungen gehören oftmals zu den glühendsten Befürwortern des Verbindungswesens! Abgesehen von (sicherlich nicht wenigen) Burschenschaften, dürfte es in Österreich kaum ein Dutzend weitere Verbindungen geben, die keine Ausländer aufnehmen.

Studentenverbindungen stehen alle mehr oder weniger rechts?

Das ist schon lange Vergangenheit. Der Rechtsruck der Verbindungen war eine Erscheinung des letzten Jahrhunderts. Die heute noch existierenden Klischees stammen aus dieser Zeit, und es wird gerne suggeriert: „Verbindungen waren damals so, und heute sind sie nicht anders“.

Doch das ist falsch! Wenn man ein zutreffendes Bild der Verbindungen in der heutigen Zeit gewinnen will, muss man sich von solchen Vorstellungen freimachen.

Auch und gerade in Verbindungen herrscht ein Klima der Geistesfreiheit und Toleranz, das Außenstehende immer wieder erstaunt, sei es gegenüber politischen Einstellungen, Ausländern oder anderen Religionen.

Und Dienst beim Bundesheer muss man auch ableisten?

Den weitaus meisten Verbindungen ist es völlig gleichgültig, ob jemand beim Bundesheer war oder nicht. Es ist aber auch kein Makel, wenn man seinen Dienst beim Heer geleistet hat. Es gibt keine Statistik, aber man kann wohl davon ausgehen, dass die Anteile sich nicht großartig von denen in der Gesamtstudentenschaft unterscheiden. Auch in Verbindungen sind reihenweise Leute Mitglied, die Zivildienst geleistet haben oder untauglich sind.

Studentenverbindungen sind frauenfeindlich?

Der überwiegende Teil der Studentenverbindungen nimmt keine Frauen auf. Mit Frauenfeindlichkeit hat das jedoch nichts zu tun. Schon vor Jahrzehnten gab es Versuche, Verbindungen für Frauen zu öffnen.

Mittlerweile gibt es jedoch auch viele Verbindungen für Frauen (siehe bei den Links!).

Studentenverbindungen bilden Karriereseilschaften?

Verbindungsstudenten sind erfolgreich, aber der Vorwurf der „Seilschafterei“ ist nicht haltbar. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass man jede Menge Leute kennenlernt, und es wäre etwas wirklichkeitsfern, zu fordern, seine Kontakte nicht auch zu nutzen, wie das jeder tut. Allerdings soll keiner glauben, dass deswegen „Nullen“ Aussicht hätten, auf irgendwelche gutbezahlte Posten gehievt zu werden.

Der Mechanismus ist ein anderer: Wer in einer Verbindung ist, bekommt dort das Rüstzeug mit auf den Weg, das notwendig ist, um erfolgreich zu sein. Heutzutage sind über das Fachliche hinaus Schlüsselqualifikationen gefragt, die man bei der Aktivität in einer Verbindung fast automatisch erwirbt. Deshalb muss jemand, der in einer Verbindung aktiv war, sich auch deutlich weniger Gedanken um Assessment Center und ähnliche Einstellungsverfahren machen als jemand, der im Studium nur hinter den Büchern gehockt hat.

Wer viele Leute kennt und sich häufig über berufliche Dinge austauscht, hat allerdings einen Informationsvorsprung; das ist aber keine Seilschafterei. Es kommt hinzu, dass Verbindungen eher auf Leute anziehend wirken, die beruflichen Erfolg nicht als verwerflich betrachten.

Verbindungen sind Saufclubs?

Der Alkohol nimmt bei den meisten Verbindungen einen weitaus geringeren Stellenwert ein, als ein Außenstehender sich das vielleicht vorstellt. Abgesehen davon gibt es in den weitaus meisten Verbindungen Leute, die, aus welchen Gründen auch immer, überhaupt keinen Alkohol trinken. Es gibt sogar abstinente Verbindungen!

Bei den Trinkzeremonien, die es gibt, kann man ja auch alkoholfreies Bier im Glas haben. Sinn der Sache ist schließlich nicht die kollektive Alkoholisierung. Im übrigen trinken auch nichtkorporierte Studenten, und es darf bezweifelt werden, dass sie weniger trinken als ihre korporierten Kommilitonen.